KPIs in Managementsystemen: Kennzahlen richtig auswählen, messen und steuern

  • Beitrags-Kategorie:ISO 9001

Lesezeit: ca. 12 Minuten

Was sind KPIs in Managementsystemen?

KPIs – Key Performance Indicators oder Leistungskennzahlen – zeigen, ob ein Unternehmen seine wesentlichen Ziele erreicht und ob Prozesse sowie Managementsysteme wirksam funktionieren.

Eine Kennzahl wird jedoch nicht automatisch zu einem KPI. Erst wenn sie für eine konkrete Entscheidung, ein Ziel, einen Prozess oder ein wesentliches Risiko von Bedeutung ist, erhält sie den Charakter eines Schlüsselindikators.

Ein gutes Managementsystem sammelt daher nicht möglichst viele Daten. Es konzentriert sich auf wenige, aussagekräftige Kennzahlen, die frühzeitig Handlungsbedarf erkennen lassen und der Geschäftsführung eine belastbare Entscheidungsgrundlage bieten.


Warum sind KPIs für Managementsysteme wichtig?

Managementsysteme sollen nicht nur dokumentiert, sondern gesteuert und regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

KPIs unterstützen Unternehmen dabei, unter anderem folgende Fragen zu beantworten:

  • Werden die festgelegten Ziele erreicht?
  • Arbeiten die Prozesse wirksam und effizient?
  • Entwickeln sich Risiken in die gewünschte Richtung?
  • Sind Maßnahmen tatsächlich wirksam?
  • Werden Kunden-, Rechts- und Sicherheitsanforderungen erfüllt?
  • Wo besteht Ressourcen- oder Verbesserungsbedarf?
  • Welche Themen müssen in der Managementbewertung behandelt werden?

Ohne geeignete Kennzahlen bleibt die Bewertung eines Managementsystems häufig subjektiv. Aussagen wie „Der Prozess funktioniert gut“ oder „Die Kunden sind zufrieden“ reichen für eine belastbare Steuerung nicht aus.

Eine geeignete Kennzahl macht die Aussage nachvollziehbar:

Allgemeine AussageMessbare Bewertung
Kunden sind zufriedenKundenzufriedenheitsindex liegt bei 88 %
Lieferanten arbeiten zuverlässigLiefertermintreue der A-Lieferanten beträgt 96 %
Maßnahmen werden umgesetzt84 % der Maßnahmen wurden fristgerecht abgeschlossen
Mitarbeitende sind geschult97 % der geplanten Pflichtschulungen wurden durchgeführt
Sicherheitsvorfälle werden bearbeitetKritische Vorfälle werden durchschnittlich innerhalb von vier Stunden bewertet

Kennzahl, KPI und Zielwert: Wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe werden in der Praxis häufig vermischt.

BegriffBedeutungBeispiel
Messwerteinzelner erhobener Wert18 Reklamationen
Kennzahlverdichteter oder vergleichbarer Wert1,8 Reklamationen je 1.000 Lieferungen
KPIfür die Unternehmens- oder Prozesssteuerung besonders wichtige KennzahlReklamationsquote als zentrale Qualitätskennzahl
Zielwertangestrebtes Ergebnismaximal 1,5 Reklamationen je 1.000 Lieferungen
SchwellenwertGrenze, ab der Handlungsbedarf bestehtab 2,0 ist eine Ursachenanalyse erforderlich

Nicht jede Kennzahl sollte im Management-Dashboard erscheinen. Ein KPI sollte nur dann aufgenommen werden, wenn er für Führung, Steuerung, Risikoüberwachung oder Zielerreichung relevant ist.


Welche Anforderungen stellen Managementsystemnormen?

Managementsystemnormen verlangen üblicherweise, dass Organisationen festlegen:

  • was überwacht und gemessen wird,
  • welche Methoden verwendet werden,
  • wann gemessen wird,
  • wann Ergebnisse analysiert und bewertet werden,
  • wer für die Bewertung verantwortlich ist,
  • welche dokumentierten Nachweise aufbewahrt werden.

Die meisten Normen schreiben jedoch keine allgemeingültige Liste konkreter KPIs vor. Die Organisation muss geeignete Kennzahlen aus ihren Zielen, Prozessen, Risiken, Verpflichtungen und strategischen Schwerpunkten ableiten.

ManagementsystemTypischer Bezug von KPIs
ISO 9001Qualität, Prozessleistung, Kundenzufriedenheit, Lieferanten, Reklamationen
ISO 14001Umweltleistung, Umweltziele, Ressourcenverbrauch, Emissionen, Abfälle
ISO 45001Arbeitsschutzleistung, Ereignisse, Prävention, Unterweisungen
ISO/IEC 27001Sicherheitsziele, Vorfälle, Schwachstellen, Wiederherstellung, Schulung
ISO 50001Energieverbrauch, Energieleistungskennzahlen, Verbesserungen
ISO/IEC 42001KI-Ziele, Risikobewertungen, Überwachung, Vorfälle und Kontrollen
integrierte Managementsystemegemeinsame Ziele, Risiken, Maßnahmen und Prozesskennzahlen

Die sinnvolle Frage lautet daher nicht:

Sondern:


Welche Eigenschaften sollte ein guter KPI besitzen?

Ein KPI muss mehr leisten als nur leicht messbar zu sein.

Ein guter KPI ist:

EigenschaftErläuterung
relevantEr steht in Verbindung mit einem Ziel, Risiko oder wesentlichen Prozess.
verständlichVerantwortliche und Geschäftsführung verstehen seine Aussage.
messbarDatenquelle, Formel und Bewertungsmethode sind eindeutig.
beeinflussbarDer zuständige Bereich kann das Ergebnis zumindest mitgestalten.
vergleichbarEntwicklungen über Zeiträume oder Bereiche lassen sich erkennen.
aktuellDie Kennzahl wird rechtzeitig für Entscheidungen bereitgestellt.
wirtschaftlichDer Aufwand der Datenerhebung steht im Verhältnis zum Nutzen.
handlungsorientiertAbweichungen lösen eine definierte Reaktion aus.

Ein KPI, der zwar interessant ist, aber keine Konsequenz hat, ist meist nur eine sogenannte Vanity Metric – eine Zahl, die gut aussieht, aber kaum zur Steuerung beiträgt.


Führende und nachlaufende Kennzahlen

Ein professionelles Kennzahlensystem sollte nicht ausschließlich Ergebnisse der Vergangenheit betrachten.

Nachlaufende Kennzahlen

Nachlaufende Kennzahlen zeigen, was bereits passiert ist.

Beispiele:

  • Reklamationsquote
  • Anzahl von Arbeitsunfällen
  • Energieverbrauch des letzten Monats
  • Anzahl von Sicherheitsvorfällen
  • Ausschussquote
  • Anzahl überfälliger Maßnahmen

Diese KPIs sind wichtig, reagieren jedoch häufig erst, nachdem ein Problem eingetreten ist.

Führende Kennzahlen

Führende Kennzahlen zeigen, ob präventive Maßnahmen ausreichend umgesetzt werden.

Beispiele:

  • Schulungsquote
  • Prüfquote kritischer Lieferanten
  • Anzahl durchgeführter Sicherheitskontrollen
  • Anteil fristgerecht abgeschlossener Wartungen
  • Quote durchgeführter Wiederherstellungstests
  • Anteil bewerteter Risiken
  • Umsetzungsgrad vorbeugender Maßnahmen
KennzahlentypBeispielAussage
führendAnteil fristgerecht gewarteter MaschinenWie gut wird einem Ausfall vorgebeugt?
nachlaufendMaschinenstillstandszeitWelche Ausfälle sind bereits eingetreten?
führendSchulungsquote InformationssicherheitWie konsequent wird Prävention umgesetzt?
nachlaufendAnzahl erfolgreicher Phishing-VorfälleWelche Schäden oder Ereignisse sind bereits aufgetreten?

Ein ausgewogenes System verbindet beide Arten.


Beispiele für KPIs in unterschiedlichen Managementsystemen

Qualitätsmanagement nach ISO 9001

KPIBeispielhafte BerechnungTypische Aussage
Reklamationsquoteberechtigte Reklamationen ÷ Lieferungen × 100Qualität aus Kundensicht
Liefertermintreuetermingerechte Lieferungen ÷ Gesamtlieferungen × 100Zuverlässigkeit der Leistung
AusschussquoteAusschussmenge ÷ Gesamtmenge × 100Prozess- und Produktionsqualität
NacharbeitsquoteNacharbeitsfälle ÷ Gesamtaufträge × 100Fehlerkosten und Prozessstabilität
First-Pass-Yieldfehlerfreie Einheiten beim ersten Durchlauf ÷ Gesamtmenge × 100Prozessfähigkeit
Maßnahmenabschlussquotefristgerecht abgeschlossene Maßnahmen ÷ fällige Maßnahmen × 100Umsetzungskraft
Kundenzufriedenheitgewichtetes Ergebnis aus BefragungenWahrnehmung der Kunden
Lieferantenleistungkombinierte Bewertung aus Qualität und TermintreueLeistungsfähigkeit externer Anbieter

Umweltmanagement nach ISO 14001

KPIBeispielhafte EinheitTypische Aussage
EnergieintensitätkWh je Produkt oder AuftragRessourceneffizienz
Abfallintensitätkg Abfall je ProduktionseinheitUmweltleistung
Recyclingquoterecycelte Menge ÷ Gesamtabfall × 100Kreislaufführung
Wasserverbrauchm³ je LeistungseinheitRessourcennutzung
Umweltmaßnahmenquoteumgesetzte Umweltmaßnahmen ÷ geplante Maßnahmen × 100Umsetzung des Umweltprogramms
Rechtskonformitätsstatusoffene Abweichungen oder ErfüllungsgradEinhaltung bindender Verpflichtungen

Absolute Werte allein können irreführend sein. Steigt die Produktion, kann auch der Gesamtenergieverbrauch steigen, obwohl die Energieeffizienz verbessert wurde. Deshalb sind relative Kennzahlen häufig aussagekräftiger.

Informationssicherheitsmanagement nach ISO/IEC 27001

KPIBeispielhafte BerechnungTypische Aussage
Bearbeitungszeit kritischer VorfälleStunden vom Eingang bis zur ErstbewertungReaktionsfähigkeit
Schwachstellenbehebungsquotefristgerecht geschlossene kritische Schwachstellen ÷ fällige Schwachstellen × 100Wirksamkeit des Schwachstellenmanagements
Schulungsquotegeschulte Personen ÷ verpflichtete Personen × 100Sicherheitsbewusstsein
Wiederherstellungstestquoteerfolgreiche Tests ÷ geplante Tests × 100Wiederanlauffähigkeit
MFA-AbdeckungsgradMFA-geschützte relevante Konten ÷ relevante Konten × 100Kontenschutz
Sicherheitsmaßnahmenquotewirksam umgesetzte Maßnahmen ÷ geplante Maßnahmen × 100Risikobehandlung

Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement nach ISO 45001

KPIBeispielTypische Aussage
UnfallhäufigkeitUnfälle bezogen auf ArbeitsstundenErgebnis der Arbeitsschutzleistung
Beinaheunfall-MeldungenMeldungen je Zeitraum oder BeschäftigtenzahlMelde- und Präventionskultur
Unterweisungsquotedurchgeführte ÷ geplante Unterweisungen × 100Präventionsgrad
Begehungsquotedurchgeführte ÷ geplante Begehungen × 100systematische Überwachung
Maßnahmenabschlussquotefristgerecht abgeschlossene ArbeitsschutzmaßnahmenUmsetzung von Verbesserungen

Eine steigende Zahl gemeldeter Beinaheunfälle muss nicht automatisch negativ sein. Sie kann auch auf eine bessere Meldekultur hinweisen. KPIs müssen deshalb immer im Kontext interpretiert werden.


Wie werden geeignete KPIs entwickelt?

1. Strategische Ziele klären

KPIs sollten aus der strategischen Ausrichtung des Unternehmens entstehen.

Beispiele:

  • Kundenzufriedenheit verbessern
  • Lieferfähigkeit erhöhen
  • Energieeffizienz steigern
  • Sicherheitsrisiken reduzieren
  • digitale Prozesse stabilisieren
  • Mitarbeitendenkompetenz sichern

2. Managementsystemziele festlegen

Aus der Strategie werden konkrete Qualitäts-, Umwelt-, Sicherheits- oder Energieziele abgeleitet.

Beispiel:

3. Kritische Prozesse und Risiken bestimmen

Nicht jeder Prozess benötigt dieselbe Zahl von KPIs.

Besonders relevant sind Prozesse, die:

  • direkten Einfluss auf Kunden haben,
  • rechtlich kritisch sind,
  • hohe Risiken besitzen,
  • erhebliche Ressourcen binden,
  • häufige Fehler verursachen,
  • strategisch wichtig sind.

4. KPI und Berechnungsformel festlegen

Die Formel muss eindeutig sein.

Beispiel:

Liefertermintreue in Prozent
=
Anzahl termingerecht gelieferter Aufträge
÷
Anzahl aller fälligen Aufträge
× 100

Es muss zusätzlich geklärt werden, was „termingerecht“ bedeutet. Genügt der vereinbarte Tag, oder gilt eine Toleranz von einem Arbeitstag? Ohne eindeutige Definition entstehen nicht vergleichbare Ergebnisse.

5. Datenquelle und Verantwortlichkeit bestimmen

FestlegungBeispiel
DatenquelleERP-System
DateneigentümerLeitung Auftragsabwicklung
Auswertungmonatlich
BerichterstattungQuartals-Dashboard
FreigabeGeschäftsführung
AufbewahrungManagementbewertung und KPI-Datei

6. Ziel- und Schwellenwerte definieren

Ein KPI ohne Ziel- oder Bewertungsgrenze hat nur eingeschränkten Nutzen.

Beispiel:

BereichWertBewertung
Grünmindestens 96 %Ziel erreicht
Gelb93 bis unter 96 %beobachten und analysieren
Rotunter 93 %Maßnahmen erforderlich

7. Maßnahmen bei Abweichungen festlegen

Bereits bei der Definition sollte geklärt werden:

  • Wer analysiert eine Abweichung?
  • Ab welchem Wert ist eine Maßnahme erforderlich?
  • Wann muss die Geschäftsführung informiert werden?
  • Wie wird die Wirksamkeit später bewertet?

8. Regelmäßig überprüfen

Kennzahlen können an Bedeutung verlieren.

Ein KPI sollte angepasst oder entfernt werden, wenn:

  • das zugrunde liegende Ziel nicht mehr besteht,
  • die Datengrundlage unzuverlässig ist,
  • keine Entscheidungen daraus abgeleitet werden,
  • die Kennzahl dauerhaft keinen Erkenntnisgewinn liefert,
  • Veränderungen im Unternehmen eine andere Bewertung erfordern.

Beispiel für einen professionellen KPI-Steckbrief

FeldBeispiel
KPI-BezeichnungLiefertermintreue
ManagementsystemISO 9001
strategisches ZielKundenzufriedenheit und Lieferfähigkeit verbessern
ProzessAuftragsabwicklung
Berechnungtermingerechte Lieferungen ÷ fällige Lieferungen × 100
EinheitProzent
DatenquelleERP-System
Auswertungsintervallmonatlich
VerantwortlichLeitung Auftragsabwicklung
Zielwertmindestens 96 %
Warnschwelleunter 95 %
Eskalationsgrenzeunter 93 %
BerichtsempfängerGeschäftsführung und Prozessverantwortliche
Reaktion bei AbweichungUrsachenanalyse und Maßnahmenplan
WirksamkeitsnachweisEntwicklung der folgenden drei Monate

Ein solcher Steckbrief verhindert, dass verschiedene Bereiche dieselbe Kennzahl unterschiedlich berechnen.


KPIs und Managementbewertung

KPIs sind eine wesentliche Grundlage der Managementbewertung.

Die Geschäftsführung sollte nicht nur den aktuellen Wert betrachten, sondern insbesondere:

  • Entwicklung über mehrere Perioden,
  • Abweichung vom Zielwert,
  • mögliche Ursachen,
  • Risiken und Auswirkungen,
  • bereits eingeleitete Maßnahmen,
  • Wirksamkeit früherer Entscheidungen,
  • erforderliche Ressourcen.

Beispiel einer Managementbewertung

KPIVorjahrAktuellZielBewertungEntscheidung
Liefertermintreue94 %91 %96 %Ziel deutlich verfehltKapazitäts- und Ursachenanalyse
Reklamationsquote2,1 %1,4 %≤ 1,5 %Ziel erreichtMaßnahmen beibehalten
Schulungsquote88 %97 %≥ 95 %Ziel erreichtneue Mitarbeitende stärker einbeziehen
offene Auditmaßnahmen146≤ 5knapp verfehltEskalation einer überfälligen Maßnahme
Kundenzufriedenheit82 %86 %≥ 85 %Ziel erreichtVorgehensweise fortsetzen

Die Zahl allein ist nicht die Managementbewertung. Erst die Bewertung und die daraus abgeleitete Entscheidung schaffen den eigentlichen Nutzen.


Wie viele KPIs sind sinnvoll?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht.

Zu viele Kennzahlen führen jedoch schnell zu:

  • hohem Pflegeaufwand,
  • unübersichtlichen Dashboards,
  • widersprüchlichen Aussagen,
  • fehlender Priorisierung,
  • Kennzahlen ohne Konsequenzen.

Als pragmatischer Ansatz kann gelten:

EbeneOrientierungsrahmen
Geschäftsführungetwa 8 bis 15 zentrale KPIs
Managementsystemetwa 3 bis 8 wesentliche KPIs je Themenfeld
Prozesshäufig 1 bis 4 wirklich relevante Kennzahlen

Diese Werte sind keine Normvorgabe. Entscheidend sind Größe, Komplexität, Risiken und Steuerungsbedarf des Unternehmens.


Typische Fehler bei KPIs

Zu viele Kennzahlen

Ein Dashboard mit 50 gleichwertig dargestellten Werten zeigt meist keine klare Priorität.

Fehlender Bezug zu Zielen

Die Kennzahl wird erhoben, weil die Daten verfügbar sind, nicht weil sie eine wichtige Frage beantwortet.

Unklare Berechnung

Unterschiedliche Bereiche verwenden verschiedene Formeln oder Bezugsgrößen.

Absolute Werte ohne Bezugsgröße

„20 Reklamationen“ sagt wenig aus, wenn Liefermenge, Umsatz oder Anzahl der Aufträge nicht berücksichtigt werden.

Keine Bewertung von Trends

Ein einzelner Monatswert kann durch Sondereffekte verzerrt sein.

Keine Maßnahmen bei Abweichungen

Rote Ampeln bleiben über Monate bestehen, ohne Verantwortlichkeit oder Termin.

Falsche Anreize

Ein einseitiger KPI kann unerwünschtes Verhalten auslösen.

Beispiel:

Wird nur die Bearbeitungszeit bewertet, können Fälle zu schnell geschlossen werden, obwohl die Ursache noch nicht beseitigt ist.

Unzuverlässige Daten

Manuell zusammengetragene oder nicht eindeutig definierte Daten führen zu Diskussionen über Zahlen statt zu Entscheidungen.

Kennzahlen ohne Kontext

Eine steigende Zahl von Sicherheitsmeldungen kann auf mehr Vorfälle hinweisen – oder auf eine bessere Meldekultur. Die Interpretation muss den betrieblichen Zusammenhang berücksichtigen.


Praxisbeispiel: KPI-System eines mittelständischen Dienstleisters

Ein technischer Dienstleister möchte sein Qualitäts- und Informationssicherheitsmanagement besser steuern.

Die Geschäftsführung legt fünf Schwerpunkte fest:

SchwerpunktKPIZiel
KundenzufriedenheitKundenzufriedenheitsindexmindestens 90 %
Termintreuefristgerecht abgeschlossene Projektemindestens 95 %
QualitätNacharbeitsquotehöchstens 3 %
Informationssicherheitfristgerecht geschlossene kritische Schwachstellenmindestens 95 %
Kompetenzabsolvierte Pflichtschulungen100 %

Nach drei Monaten zeigt sich:

  • Die Kundenzufriedenheit liegt bei 92 %.
  • Die Termintreue liegt nur bei 89 %.
  • Die Nacharbeitsquote beträgt 4,8 %.
  • Kritische Schwachstellen werden zu 97 % fristgerecht geschlossen.
  • Die Schulungsquote liegt bei 94 %.

Die Geschäftsführung bewertet nicht alle Abweichungen gleich. Für Termintreue und Nacharbeit wird eine gemeinsame Ursachenanalyse gestartet, weil beide Kennzahlen auf Probleme in der Projektplanung hindeuten. Für die fehlenden Schulungen werden konkrete Nachholtermine festgelegt.

Der Nutzen entsteht durch die Verbindung der Kennzahlen – nicht durch ihre isolierte Betrachtung.


Praktische Checkliste für ein wirksames KPI-System

PrüffrageErfüllt
Ist jeder KPI mit einem Ziel, Risiko oder Prozess verbunden?
Sind Bezeichnung und Berechnungsformel eindeutig?
Ist die Datenquelle zuverlässig?
Sind Verantwortlichkeit und Intervall festgelegt?
Existieren Ziel- und Schwellenwerte?
Ist die gewünschte Entwicklungsrichtung klar?
Werden Trends statt nur Einzelwerte betrachtet?
Sind Reaktionen bei Abweichungen festgelegt?
Werden Maßnahmen auf Wirksamkeit geprüft?
Werden nicht mehr benötigte KPIs entfernt?
Werden wesentliche KPIs in der Managementbewertung behandelt?
Versteht die Geschäftsführung die Aussage der Kennzahlen?

Häufig gestellte Fragen

Schreibt eine ISO-Norm bestimmte KPIs vor?

Die meisten Managementsystemnormen geben keine allgemeingültige KPI-Liste vor. Unternehmen müssen selbst festlegen, welche Überwachungen und Messungen für ihre Ziele, Prozesse, Risiken und Verpflichtungen notwendig sind. Einzelne Fachnormen können allerdings spezifischere Leistungskennzahlen oder Bewertungsansätze verlangen.

Muss jeder Prozess einen KPI besitzen?

Nicht zwingend jeder kleine Ablauf benötigt eine eigene Schlüsselkennzahl. Für wesentliche Prozesse sollte jedoch festgelegt sein, wie Leistung und Wirksamkeit beurteilt werden.

Reicht eine Ampelbewertung aus?

Eine Ampel erleichtert die Übersicht, ersetzt aber nicht die Analyse. Hinter jeder gelben oder roten Bewertung sollten Ursachen, Risiken und erforderliche Maßnahmen nachvollziehbar sein.

Wie oft sollten KPIs ausgewertet werden?

Das hängt von Risiko und Veränderungsgeschwindigkeit ab. Operative Kennzahlen können täglich oder wöchentlich erforderlich sein, strategische KPIs häufig monatlich, quartalsweise oder jährlich.

Sollten KPIs ausschließlich quantitativ sein?

Quantitative Kennzahlen sind leichter vergleichbar. Qualitative Bewertungen können dennoch sinnvoll sein, beispielsweise bei Rechtskonformität, Managementsystemreife oder Lieferantenrisiken. Die Bewertungskriterien müssen dann eindeutig definiert sein.

Dürfen Ziele im Laufe des Jahres verändert werden?

Ziele können angepasst werden, wenn sich Rahmenbedingungen wesentlich ändern. Die Änderung sollte begründet, freigegeben und dokumentiert werden. Eine nachträgliche Absenkung nur zur formalen Zielerreichung wäre keine überzeugende Vorgehensweise.


Zusammenfassung

KPIs machen die Leistung von Managementsystemen sichtbar und unterstützen Geschäftsführung sowie Prozessverantwortliche bei fundierten Entscheidungen.

Ein wirksames KPI-System:

  • leitet Kennzahlen aus Strategie, Zielen, Prozessen und Risiken ab,
  • definiert eindeutige Berechnungen und Datenquellen,
  • kombiniert führende und nachlaufende Indikatoren,
  • verwendet Ziel- und Schwellenwerte,
  • zeigt Trends und Ursachen,
  • führt bei Abweichungen zu konkreten Maßnahmen,
  • wird regelmäßig auf Nutzen und Aktualität überprüft.

Der Wert eines KPI-Systems zeigt sich nicht an der Menge der Daten, sondern an der Qualität der daraus getroffenen Entscheidungen.


Passender Onlinekurs

Beratung zu Kennzahlen und Managementsystemen