Die Revision der weltweit bekannten Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 erreicht ihre letzte Phase. Auf der offiziellen ISO-Seite wird die sechste Ausgabe seit dem 10. Juli 2026 mit dem Status „under publication“ geführt. Als geplanter Veröffentlichungstermin ist September 2026 angegeben. Die neue Ausgabe soll anschließend die ISO 9001:2015 ersetzen.
Für zertifizierte Unternehmen ist das ein wichtiges Signal. Es besteht jedoch kein Grund für hektische Änderungen. Entscheidend ist jetzt, das bestehende Qualitätsmanagementsystem kritisch zu überprüfen und die organisatorischen Grundlagen für einen geordneten Übergang zu schaffen. Dieser Beitrag zeigt, was bereits feststeht, welche Punkte noch abzuwarten sind und wie sich Unternehmen sinnvoll auf die ISO 9001:2026 vorbereiten können.
Aktueller Stand der ISO-9001-Revision
Der Final Draft International Standard, kurz FDIS, wurde im Mai 2026 zur abschließenden Abstimmung vorgelegt. Die Abstimmung endete am 9. Juli 2026. Seit dem 10. Juli befindet sich die neue Ausgabe offiziell in der Veröffentlichungsphase.
Die wichtigsten Informationen im Überblick:
| Thema | Aktueller Stand |
|---|---|
| Bisherige Ausgabe | ISO 9001:2015 einschließlich der Ergänzung von 2024 |
| Neue Ausgabe | sechste Ausgabe der ISO 9001 |
| Aktueller Status | in Veröffentlichung |
| Geplanter Termin | September 2026 |
| Auswirkungen auf Zertifikate | Es wird eine Übergangsfrist geben |
| Konkrete Übergangsregeln | Werden noch gesondert bekannt gegeben |
| Handlungsbedarf | Vorbereitung ja, voreilige Detailumsetzung nein |
Die ISO weist ausdrücklich darauf hin, dass zertifizierte Organisationen eine Übergangszeit erhalten werden. Die genaue Dauer und die verbindlichen Regeln für Zertifizierungs- und Überwachungsaudits sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht vollständig veröffentlicht.
Merksatz: Die ISO 9001:2015 wird nicht von einem Tag auf den anderen bedeutungslos. Unternehmen erhalten Zeit, ihr Qualitätsmanagementsystem auf die neue Ausgabe umzustellen.
Ist die ISO 9001:2015 noch gültig?
Ja. Bis zur tatsächlichen Veröffentlichung der neuen Ausgabe bleibt die ISO 9001:2015 die veröffentlichte und anzuwendende Fassung. Auch nach dem Erscheinen der ISO 9001:2026 werden bestehende Zertifikate nicht unmittelbar ungültig. Zertifizierte Unternehmen sollen eine Übergangsfrist erhalten.
Unternehmen sollten deshalb weiterhin:
Ein laufendes System sollte keinesfalls angehalten werden, nur weil eine neue Normausgabe bevorsteht.
Was Unternehmen jetzt noch nicht tun sollten
Obwohl bereits zahlreiche Zusammenfassungen und Einschätzungen zur neuen Norm im Umlauf sind, sollte die endgültige Veröffentlichung abgewartet werden, bevor verbindliche Detailänderungen vorgenommen werden.
Nicht empfehlenswert sind insbesondere:
| Voreilige Maßnahme | Warum sie problematisch ist |
|---|---|
| Dokumente aufgrund inoffizieller Änderungslisten umschreiben | Einzelheiten können verkürzt, falsch interpretiert oder nicht endgültig sein |
| Das gesamte QM-Handbuch neu erstellen | Die ISO 9001 fordert kein bestimmtes Handbuchformat |
| Neue Prozesse nur für die Zertifizierung einführen | Prozesse müssen zum Unternehmen passen und einen tatsächlichen Nutzen haben |
| Mitarbeitende mit unbestätigten Anforderungen schulen | Das kann zu Verwirrung und unnötiger Doppelarbeit führen |
| Bis zur Veröffentlichung überhaupt nichts tun | Grundlegende Schwächen im bestehenden System bleiben dadurch bestehen |
Die richtige Vorgehensweise liegt zwischen Aktionismus und Abwarten: Unternehmen sollten ihr aktuelles System stabilisieren, ohne noch nicht veröffentlichte Detailanforderungen vorwegzunehmen.
Sieben sinnvolle Vorbereitungsschritte
1. Bestehendes Qualitätsmanagementsystem bewerten
Der erste Schritt ist keine Norminterpretation, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme.
Prüfen Sie beispielsweise:
Ein QM-System, das bereits heute wirksam funktioniert, lässt sich wesentlich leichter an eine neue Normausgabe anpassen.
2. Prozesslandschaft aktualisieren
Viele Qualitätsmanagementsysteme enthalten Prozessbeschreibungen, die vor Jahren erstellt und seitdem kaum verändert wurden. Häufig stimmen dokumentierter Ablauf und betriebliche Wirklichkeit nicht mehr überein.
Eine einfache Prozessprüfung kann so aufgebaut werden:
| Prüffrage | Beispiel |
|---|---|
| Was ist das Ziel des Prozesses? | Kundenanforderungen vollständig in einen Auftrag überführen |
| Wer trägt die Verantwortung? | Vertriebsleitung |
| Welche Eingaben werden benötigt? | Anfrage, Spezifikation, Liefertermin |
| Welche Ergebnisse entstehen? | geprüfter und freigegebener Auftrag |
| Welche Risiken bestehen? | unvollständige Anforderungen, falsche Liefertermine |
| Woran wird die Leistung gemessen? | Fehlerquote, Durchlaufzeit, Reklamationen |
| Welche Schnittstellen gibt es? | Vertrieb, Arbeitsvorbereitung, Einkauf, Produktion |
Es geht nicht darum, möglichst viele Prozessdokumente zu erstellen. Entscheidend ist, dass Prozesse verstanden, gesteuert und verbessert werden.
3. Kontext und interessierte Parteien überprüfen
Märkte, Technologien, Kundenanforderungen und gesetzliche Rahmenbedingungen verändern sich. Deshalb sollten Unternehmen überprüfen, ob ihre bisherige Kontextanalyse noch zur tatsächlichen Situation passt.
Mögliche aktuelle Themen sind:
Nicht jedes Thema ist für jedes Unternehmen relevant. Die Organisation muss jedoch nachvollziehbar entscheiden, welche Einflüsse für ihr Qualitätsmanagementsystem von Bedeutung sind.
4. Risiken und Chancen mit Prozessen verbinden
In vielen Unternehmen existiert eine separate Risikoliste, die nur vor Audits aktualisiert wird. Dadurch entsteht wenig praktischer Nutzen.
Wirksamer ist es, Risiken direkt mit Prozessen, Zielen und Maßnahmen zu verknüpfen.
| Prozess | Risiko | mögliche Auswirkung | Maßnahme | Wirksamkeitsprüfung |
|---|---|---|---|---|
| Einkauf | Ausfall eines Lieferanten | Lieferverzug | Zweitlieferant qualifizieren | Lieferfähigkeit prüfen |
| Vertrieb | Anforderungen unvollständig | Fehlauftrag | Auftragsprüfung standardisieren | Fehlerquote auswerten |
| Personal | Wissensverlust | Prozessstörungen | Vertretungen und Schulungen planen | Kompetenzmatrix prüfen |
| IT | Systemausfall | Produktionsunterbrechung | Datensicherung und Notfallplan | Wiederherstellung testen |
Dabei sollten nicht nur Gefahren, sondern auch Chancen betrachtet werden. Eine Chance kann beispielsweise darin bestehen, Bearbeitungszeiten durch Digitalisierung zu verkürzen oder Wissen durch E-Learning einheitlicher zu vermitteln.
5. Qualitätsziele und Kennzahlen auf Nutzen prüfen
Qualitätsziele sollten mehr sein als allgemeine Aussagen wie „Wir wollen besser werden“ oder „Die Kundenzufriedenheit soll steigen“.
Ein wirksames Qualitätsziel enthält mindestens:
Beispiel:
Die Quote unvollständiger Aufträge soll bis zum 31. Dezember 2026 von derzeit 7 Prozent auf höchstens 3 Prozent reduziert werden. Verantwortlich ist die Vertriebsleitung. Als Maßnahmen werden eine verbindliche Auftragscheckliste und eine Schulung der beteiligten Mitarbeitenden eingeführt.
Wichtig ist nicht nur, ob ein Ziel erreicht wurde. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Konsequenzen aus Abweichungen gezogen werden.
6. Kompetenzen und Bewusstsein systematisch entwickeln
Ein Qualitätsmanagementsystem funktioniert nur, wenn Mitarbeitende ihre Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Auswirkungen auf die Qualität verstehen.
Eine reine Unterschrift unter einer Arbeitsanweisung belegt noch keine Kompetenz. Unternehmen sollten deshalb unterscheiden zwischen:
E-Learning kann dabei helfen, grundlegende Inhalte einheitlich und zeitlich flexibel zu vermitteln. Auf qm-4u.de werden unter anderem Kurse zu Qualitätsmanagement, ISO 9001, Informationssicherheit, Datenschutz, Cybersecurity und KI angeboten. Die Kurse sind praxisorientiert aufgebaut; Lernfortschritte können gespeichert und nach erfolgreichem Abschluss kann ein persönliches Kurszertifikat bereitgestellt werden.
Praxis-Tipp: Verbinden Sie eine Online-Schulung mit einer kurzen betrieblichen Transferaufgabe. So wird aus vermitteltem Wissen eine konkrete Anwendung im eigenen Arbeitsbereich.
7. Ein strukturiertes Übergangsprojekt vorbereiten
Noch bevor alle Übergangsregeln feststehen, kann eine verantwortliche Person oder ein kleines Projektteam bestimmt werden.
Ein möglicher Ablauf:
| Phase | Aufgabe |
|---|---|
| Information | Veröffentlichung und offizielle Übergangsregeln beobachten |
| Beschaffung | Endgültige Normausgabe über eine autorisierte Quelle beziehen |
| Analyse | Unterschiede zur bisherigen Ausgabe systematisch bewerten |
| Planung | notwendige Maßnahmen, Verantwortliche und Termine festlegen |
| Umsetzung | Prozesse, Dokumentation und Schulungen anpassen |
| Prüfung | internes Audit zur Umstellung durchführen |
| Bewertung | Ergebnisse in der Managementbewertung behandeln |
| Zertifizierung | Übergang mit der Zertifizierungsgesellschaft abstimmen |
Damit wird verhindert, dass sämtliche Aufgaben erst kurz vor dem nächsten Zertifizierungsaudit bearbeitet werden.
Welche Unternehmen sind betroffen?
Die ISO 9001 ist grundsätzlich für Organisationen jeder Größe und Branche geeignet. Sie kann unter anderem in Industrie, Dienstleistung, Gesundheitswesen, Bildung, Verwaltung, Technologie und gemeinnützigen Organisationen eingesetzt werden. Eine Zertifizierung ist freiwillig, kann aber beispielsweise von Kunden, Auftraggebern oder bei Ausschreibungen erwartet werden.
Besonders aufmerksam sollten jetzt Unternehmen sein, die:
Sollte eine geplante ISO-9001-Zertifizierung verschoben werden?
In der Regel ist es nicht sinnvoll, ein wichtiges Qualitätsmanagementprojekt vollständig anzuhalten. Die grundlegenden Elemente eines wirksamen QM-Systems bleiben relevant:
Die ISO beschreibt die ISO 9001 als Rahmen, mit dem Organisationen beständige Produkte und Dienstleistungen bereitstellen, ihre Effizienz verbessern und Kunden- sowie regulatorische Erwartungen erfüllen können.
Unternehmen, die derzeit eine Zertifizierung vorbereiten, sollten sich frühzeitig mit ihrer Zertifizierungsgesellschaft abstimmen. Der konkrete Audit- und Übergangsplan hängt vom Veröffentlichungszeitpunkt und den noch bekannt zu gebenden Übergangsregeln ab.
Häufige Fragen zur ISO 9001:2026
Ist die ISO 9001:2026 bereits veröffentlicht?
Noch nicht als endgültige internationale Norm. Seit dem 10. Juli 2026 befindet sich die sechste Ausgabe offiziell in der Veröffentlichungsphase. Die Veröffentlichung ist für September 2026 vorgesehen.
Wird die ISO 9001:2015 sofort ungültig?
Nein. Zertifizierte Organisationen sollen eine Übergangsfrist erhalten. Die konkreten Regeln und Fristen werden gesondert bekannt gegeben.
Muss das gesamte QM-System neu aufgebaut werden?
Voraussichtlich nicht. Ein bestehendes, wirksames System wird normalerweise überprüft und gezielt an geänderte Anforderungen angepasst. Welche Änderungen tatsächlich notwendig sind, kann erst nach Prüfung der veröffentlichten Norm zuverlässig entschieden werden.
Sollten Mitarbeitende bereits geschult werden?
Grundlagenschulungen zu Prozessmanagement, Qualitätszielen, Risiken, Verantwortlichkeiten und kontinuierlicher Verbesserung sind bereits jetzt sinnvoll. Eine verbindliche Schulung zu den Detailänderungen der neuen Ausgabe sollte auf der endgültig veröffentlichten Norm basieren.
Ist eine ISO-9001-Zertifizierung gesetzlich vorgeschrieben?
Die Zertifizierung nach ISO 9001 ist grundsätzlich freiwillig. Sie kann jedoch vertraglich, im Rahmen von Lieferantenanforderungen oder bei Ausschreibungen verlangt werden. Die ISO selbst führt keine Zertifizierungen durch; diese werden von unabhängigen Zertifizierungsstellen vorgenommen.
Fazit: Jetzt Grundlagen stärken, Details nach Veröffentlichung umsetzen
Die ISO 9001:2026 steht unmittelbar vor ihrer Veröffentlichung. Für Unternehmen bedeutet das nicht, dass sie ihr Qualitätsmanagementsystem sofort vollständig umbauen müssen.
Sinnvoll ist jetzt eine strukturierte Vorbereitung:
Wer bereits heute über klare Prozesse, aussagekräftige Kennzahlen, kompetente Mitarbeitende und eine gelebte Verbesserungskultur verfügt, schafft eine gute Ausgangsbasis für die Umstellung.
Qualitätsmanagement verständlich und praxisnah lernen
Der E-Learning-Kurs „ISO 9001:2015 – Qualitätsmanagement verstehen und anwenden“ auf qm-4u.de vermittelt die wesentlichen Grundlagen eines Qualitätsmanagementsystems. Dazu gehören unter anderem Prozessorientierung, risikobasiertes Denken, Qualitätsziele, interne Audits, Managementbewertung und kontinuierliche Verbesserung.
Bereiten Sie Mitarbeitende, Führungskräfte und Qualitätsverantwortliche frühzeitig auf ein wirksames und zukunftsfähiges Qualitätsmanagement vor.
Stand dieses Beitrags: 10. Juli 2026
Die ISO 9001:2026 befindet sich in der Veröffentlichungsphase. Da noch nicht alle Übergangsregelungen bekannt gegeben wurden, wird dieser Beitrag nach Veröffentlichung der endgültigen Norm aktualisiert.

